
Sie sorgen für eine längere Haltbarkeit und stecken in fast allen industriell hergestellten Lebensmitteln: Konservierungsstoffe. Viele Menschen fragen sich, wie gesund diese Zutaten eigentlich sind. Eine große Studie aus Frankreich weist nun tatsächlich auf ein erhöhtes Krebsrisiko hin.
Große Kohortenanalyse liefert neue Hinweise
In die NutriNet-Santé-Kohortenstudie waren 105.260 Personen ab einem Alter von 15 Jahren eingeschlossen, fast 80% waren weiblich. Alle Teilnehmenden waren zu Studienbeginn krebsfrei und füllten über durchschnittlich 7,5 Jahre regelmäßig markenspezifische 24-Stunden-Ernährungsprotokolle aus. Während dieser Zeit erhielten 4.226 Teilnehmende eine Krebsdiagnose, darunter 1.208 Brustkrebs-, 508 Prostatakrebs-, 352 Darmkrebserkrankungen sowie 2.158 andere Krebsarten. Die Krebsdiagnosen wurden über Gesundheitsfragebögen sowie offizielle medizinische Unterlagen und Todesregister erfasst.
Die Wissenschaftler verglichen dann die Krebsfälle mit dem Konsum von 17 gängigen Konservierungsstoffen, wobei sie zwischen keinem, niedrigem und höherem Konsum sowie zwischen Nicht-Antioxidanzien (hemmen das Wachstum von Mikroben) und Antioxidanzien (reduzieren den Sauerstoffehalt) unterschieden.
Welche Konservierungsstoffe stehen im Fokus?
Bei der Auswertung zeigte sich kein Zusammenhang zwischen der Gesamtaufnahme aller Konservierungsstoffe und dem Krebsrisiko. Zudem erwiesen sich 11 Stoffe einzeln gesehen als unbedenklich.
Allerdings war eine höhere Aufnahme mehrerer Konservierungsstoffe – überwiegend von Nicht-Antioxidanzien wie Kaliumsorbat, Kaliummetabisulfit, Natriumnitrit, Kaliumnitrat und Essigsäure – mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden. Beispielsweise erhöhte die Gesamtaufnahme von Sorbaten, insbesondere Kaliumsorbat, das generelle Krebsrisiko um 14% und das Brustkrebsrisiko um 26%. Sulfite waren mit einem um 12% erhöhten Gesamtkrebsrisiko assoziiert.
Unter den antioxidativen Konservierungsstoffen zeigten lediglich Erythorbate und speziell Natriumerythorbat einen Zusammenhang mit einer höheren Krebsinzidenz.
Fazit
Rückschlüsse auf einen kausalen Zusammenhang erlaubt die Beobachtungsstudie zwar nicht. Aber die Autoren halten es durchaus für möglich, dass mehrere dieser Verbindungen Immun- und Entzündungswege beeinflussen und so möglicherweise die Krebsentstehung begünstigten können. Einige experimentelle Studien hatten bereits in diese Richtung gedeutet. Obwohl weitere Untersuchungen notwendig sind, fordert das Studienteam eine Neubewertung der gesetzlichen Regelungen, um Verbraucher besser vor krebserregenden Lebensmittelzusätzen zu schützen.
Quelle: Hasenböhler A et al. BMJ 2026; 392 :e084917. DOI: 10.1136/bmj-2025-084917

