Ausbleibende Periode trotz TrainingWarum Zyklusstörungen bei sportlichen Frauen ernst zu nehmen sind

Viele sportlich aktive Frauen halten ein Ausbleiben der Menstruation für eine harmlose Nebenwirkung intensiven Trainings. Doch die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) betont: Hinter dem ausbleibenden Zyklus steckt oft ein ernstes hormonelles Ungleichgewicht, das langfristig Knochen, Herz-Kreislauf-System, Psyche und Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann. Frühzeitige ärztliche Abklärung ist daher entscheidend.

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Intensives Training ohne ausreichende Energiezufuhr kann bei jungen Frauen zu hormonellen Störungen und einem Ausbleiben der Menstruation führen.

Warum ein fehlender Zyklus mehr ist als ein Trainingsnebenprodukt

Ein regelmäßiger Menstruationszyklus zeigt, dass Hormone, Stoffwechsel und Energiehaushalt im Gleichgewicht sind. Bleibt die Blutung bei zuvor regelmäßigen Zyklen nach drei Monaten, bei zuvor unregelmäßigen Zyklen nach sechs Monaten aus, sprechen Expert*innen von einer Amenorrhö. Tritt sie im Zusammenhang mit intensiver sportlicher Aktivität auf, handelt es sich häufig um eine sogenannte sportassoziierte Amenorrhö. Diese Form betrifft vor allem junge Frauen mit hohem Trainingsumfang – und das nicht nur im Leistungs-, sondern auch zunehmend im ambitionierten Freizeitsport.

Die sportassoziierte Amenorrhö tritt besonders häufig bei sportlich hochaktiven jungen Frauen auf. Sie beschreibt das Ausbleiben der Menstruation infolge intensiver körperlicher Aktivität. Meist ist der Energieverbrauch dauerhaft höher als die Energieaufnahme. Chronischer körperlicher und mentaler Stress verstärkt diesen Effekt

Take Home für die Praxis

Zyklusstörungen bei sportlich aktiven Frauen müssen konsequent abgeklärt werden – auch dann, wenn die Patientin das Ausbleiben der Periode selbst als „normal“ empfindet. Wesentliche Punkte sind:

  • Amenorrhö nach drei Monaten ist diagnostisch relevant und sollte abgeklärt werden – unabhängig vom Trainingsniveau.
  • RED‑S immer differenzialdiagnostisch mitdenken: Ein Energiemangel ist die häufigste Ursache bei sportassoziierter Amenorrhö.
  • Frühe Intervention schützt vor irreversiblen Schäden, insbesondere dem Verlust von Knochendichte im jungen Erwachsenenalter.
  • Multidisziplinärer Ansatz empfohlen: gynäkologische Diagnostik, Ernährungsmedizin, ggf. psychologische Unterstützung.
  • Behandlung priorisiert das Energiedefizit: Ernährung anheben, Trainingsintensität reduzieren, Regenerationsphasen etablieren.
  • Hormontherapie kann sinnvoll sein, ersetzt aber nie die notwendige Korrektur der Energieverfügbarkeit.

Kurz: Die Periode ist ein zentraler Vitalparameter – ihr Ausbleiben bei sportlich aktiven Frauen ist immer ein medizinischer Handlungsauftrag.

Energie im Ungleichgewicht: Wenn der Körper Prioritäten setzt

Ursache ist meist ein dauerhaftes Missverhältnis zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch. Der Körper spart dann an Funktionen, die er in dieser Situation nicht als lebensnotwendig einstuft. Dazu gehört auch der Menstruationszyklus. Dieser Zusammenhang zwischen Energieverfügbarkeit, Menstruationszyklus und Knochengesundheit wird durch den Begriff „relative energy deficiency in sports“ beschrieben, kurz RED-S.

Fehlt dem Körper über längere Zeit Energie, gerät die hormonelle Steuerung im Gehirn aus dem Takt. In der Folge reifen Eizellen nicht mehr heran und die Periode bleibt aus

Wichtig zu wissen: Ein ausbleibender Zyklus ist nicht allein durch eine hohe Trainingsbelastung zu erklären. „Die Amenorrhö stellt eine komplexe Interaktion von Stoffwechselprozessen dar. Mit dem Ausbleiben der Menstruation sinkt auch der Östrogenspiegel. Dieses Hormon spielt eine zentrale Rolle für den Knochenstoffwechsel. Gerade in jungen Jahren ist das problematisch, da die maximale Knochendichte zu großen Teilen bereits bis zum frühen Erwachsenenalter aufgebaut wird. 

Ein länger bestehender Östrogenmangel kann die Knochendichte verringern und das Risiko für Knochenbrüche und Osteoporose erhöhen

Auch das Herz-Kreislauf-System sowie Schlaf, Stimmung und Konzentration können betroffen sein.

Wann medizinischer Rat notwendig wird

Bleibt die Periode länger als drei Monate aus, rät die DGE zu einer ärztlichen Abklärung. Treten zusätzlich Beschwerden wie schnelle Verletzungen, Knochenbrüche, Erschöpfung oder psychische Veränderungen auf, sollte früher gehandelt werden. Ziel ist es, andere Ursachen auszuschließen und das hormonelle Gleichgewicht wiederherzustellen.

So können Betroffene gegensteuern

„Im Mittelpunkt der Behandlung steht es, die Ursache der Amenorrhö zu beseitigen und nicht nur deren Symptome. Neben der gynäkologischen Behandlung, meist in Form einer Hormontherapie, ist es in erster Linie essenziell, das Energiedefizit auszugleichen. Die jungen Frauen müssen ausreichend Kalorien zu sich nehmen und sollten gleichzeitig den Trainingsumfang beziehungsweise dessen Reduktion diskutieren“, erklärt Mebes. Das bedeute nicht, mit dem Training aufzuhören, sondern beispielsweise die Intensität zu reduzieren und Regenerationstage einzuplanen. Auch eine begleitende ernährungsmedizinische oder psychologische Betreuung könne Sinn ergeben. 

Je früher insbesondere das Energiedefizit ausgeglichen wird, desto besser kann sich die hormonelle Steuerung erholen

Die DGE appelliert, Zyklusstörungen nicht zu verharmlosen. Das Ausbleiben der Periode ist kein Zeichen besonderer Fitness, sondern ein Hinweis darauf, dass der Körper aus dem Gleichgewicht ist. Eine frühzeitige Abklärung schützt die Gesundheit und hilft, Spätfolgen zu vermeiden.

Fazit

Das Ausbleiben der Menstruation bei sportlich aktiven jungen Frauen ist kein harmloser Nebeneffekt intensiver körperlicher Belastung, sondern ein wichtiges Warnsignal für eine gestörte Energie- und Hormonregulation. Die sportassoziierte Amenorrhö ist häufig ein Ausdruck einer relativen Energiedefizienz (RED‑S), die weit über den Zyklus hinausreicht und langfristig die Knochengesundheit, das Herz-Kreislauf-System, die psychische Stabilität und die Fertilität beeinträchtigen kann. Frühzeitige Diagnostik und Intervention sind entscheidend, um Folgeschäden zu verhindern und die hormonelle Steuerung wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Quellen: Dr. med. Imke Mebes anlässlich des 69. Kongresses für Endokrinologie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)

Mountjoy et al. (2018). IOC consensus statement on relative energy deficiency in sport (RED-S): 2018 update. British Journal of Sports Medicine, 52(11), 687–697. 

Tenforde et al. (2020) Awareness and comfort treating the female athlete triad and relative energy deficiency in sport among healthcare providers. Dtsch Z Sportmed 71:76–80