Warum Frauen mehr unter Stress leiden als Männer

Christine Zilinski

Geschlechterunterschiede gewinnen in der Medizin zunehmend an Bedeutung, so weiß man schon lange, dass ein weiblicher Herzinfarkt anders erscheint als ein männlicher. Dass der Umgang mit Stress nicht nur von erlernten Coping-Mechanismen, der individuellen Resistenz und Resilienz-Fähigkeit abhängt, sondern durchaus auch vom Geschlecht, konnten Wissenschaftler nun eindrucksvoll belegen.

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Die Reaktion auf Stress fällt zwischen Mann und Frau unterschiedlich aus: während Männer sich gut ablenken können, klappt das bei Frauen nicht so gut.

Die 40 Männer und 40 Frauen, die als Probanden für diese Studie dienten, wurden absichtlich mihilfe hochintensiver, negativer Bilder unter Stress gesetzt - messbar an ansteigenden Cortisol-Leveln im Speichel. Anschließend wurde getestet, ob eine der beiden Techniken zu einer Stressreduktion führte: Einmal sollten die Probanden sich duch Ablenkung von der Stressquelle distanzieren, dann wiederum sollten sie Reappraisal - also die Umdeutung des Stimulus, um die emotionale Reaktion zu ändern - anwenden. 

Männer können sich besser ablenken

Erfasst wurde die Wirkung dieser Coping-Mechanismen über die Pupillenweite sowie die Einschätzung der Probanden selbst. So zeigte sich, dass Männer sich dank Ablenkung erfolgreich schneller vom Stress erholten als die Frauen, weil ihre verzögerte Cortisolausschüttung höher ausfiel als bei den Frauen. Deren kardiovaskuläre Antwort auf die stressigen Bilder - also die vom Sympathikus eingeläutete Sofortreaktion auf Stress - hinderte sie daran, sich durch Ablenkung oder Reappraisal vom Stress zu erholen.

Quelle: K Langer. et al; Psychoneuroendocrinology May 2023; https://doi.org/10.1016/j.psyneuen.2023.106054